Ersame's Rollenspielwelten 

Die Legende von König Toran

Als die Welt noch jung und wild war und die Menschen sich nur durch ihren aufrechten Gang vom Tier unterschieden, als noch kein Flug den Acker bearbeitet hatte und noch kein Zaun das Wild zähmten, um diese Zeit soll es gewesen sein, das ein einzelner Man seinen Fuß auf dieses Land setzte, das heute das Tal genannt wird.

Er kam von weit her so sagt man, und seine Heimat ist genauso in den Nebeln der Zeit verloren gegangen wie seine Herkunft.

Um diese ranken sich unzählige Legenden, einige sagen er war ein Göttersohn, von Göttern die gut, rein und edel waren und schon lange von ihren dunklen Vettern vom Erdboden getilgt wurden. Andere nennen ihn ein Halbblut, halb Mensch halb Sha'ro.

Einige sind überzeugt das er ein Bruder, vielleicht sogar ein Zwilling des Drachen war, in allem ihm ebenbürtig, nur im Wesen so unterschiedlich wie Tag und Nacht.

 

Sein Name war Toran und er kam in Frieden.

In Frieden in ein Land in dem der Mensch in Sippen durch das Land zog, bewaffnet mit Holzspeeren und bearbeiteten Steinen. Sippen die immer dann, wenn sie sich trafen, kämpften. Um die Vorräte, die Waffen und vor allem die Frauen, der jeweils anderen Sippe. Zu diesen kam Toran, gewandet wie an Mann es heute wäre, in Wolle und Leder, mit einem Schwert aus gutem Stahl an seiner Seite.

Doch anstatt sich als Herr über die Wilden aufzuschwingen und diese mit seinen Waffen und seiner Magie zu unterjochen, gewann er das Vertrauen der Nomaden. Indem er ihnen zeigte wie sie besser, jagen, sammeln und lagern konnten, gewann er ihren Respekt und die Gunst am selben Feuer zu Lagern und das Wort an die Männer der Sippe zu richten.

Durch klugen Rat, wurde er mit der Zeit derjenige der den Weg bestimmt und der Sippe ihre Regeln gab. Und da er immer klug und weise entschied erhob sich niemand gegen seine Worte.

Auch nicht als er begann auf andere Sippen mit offenen Armen zu zu gehen. Auch nicht als er begann diese Sippen zu einer großen Gemeinschaft zusammen zu fügen. Auch nicht als er den Menschen zeigte wie man die wilden Tiere für sich nutzen konnte.

 

Doch als Toran mit seinem Stamm, den eine Sippe konnte man die viele Köpfe zählende Gruppe schon lange nicht mehr nennen, in einem Tal ankam, durch den ein großer Fluss floss, umgeben von einer großen freien Fläche, die von Natur aus gerade war und nicht weit entfernt ein Wald, und seinen Leuten begann zu erklären wie sie Häuser bauen, Weiden und Felder anlegen konnten, da entzogen sie ihm ihr Vertrauen.

Seid Urzeiten zogen diese Menschen nun über die Steppe, ihr Glaube an die Natur und die Jahreszeiten war wie eine Religion für sie und ihre Götter sprachen zu ihnen im Wind und im Wasser, in der Erde unter ihren Füßen und im Feuer das sie wärmte und diese Stimmen geboten zu wandern, zu jagen und zu sammeln, stillstand bedeutete Tot.

 

So wandten sich sein Stamm von ihm ab, doch anstatt zu wüten und zu zürnen begann Toran zu reden. Er sprach von Kinder die nicht verhungern müssten, er sprach von Alter in Würde, er sprach von Wärme im Winter und Schatten im Sommer.

Und seine Worte waren wie Wasser auf trockenem Boden, wie ein wohl geführtes Schwert, wie der Gesang eines Gottes. Und sie blieben.

 

Die kleine Siedlung die bald erblühte nannten sie Cara, was ihn der alten Sprache schlicht Heim bedeutet. Und Cara wuchs, den Toran hieß weiter jeden willkommen, der sich ihnen in Frieden anschloss und so wurde aus ein paar Hütten ein Dorf und aus dem Dorf die erste Stadt der Menschen.

Toran, nun König genannt, herrschte weiter milde und voller Pflichtbewusstsein über die seinen.

 

Doch wie es immer ist, dort wo etwas gut ist, es gab nicht nur die, die Toran mit Ehrerbietung und Liebe gegenüber standen, es gab auch jene die sein Werk für einen Affront gegenüber der alten Sitten hielten.

Einer dieser war ebenfalls ein Mann der großen Worte und auch dieser scharte viele derer um sich, die noch „frei“ und ungebunden durch die Steppen zogen und nach den alten Sitten lebten.

Und so kam es zum ersten Krieg der Menschheit als der Nomaden Fürher Feral seine Leute nach Cara führte um jene zu strafen, die sich gegen die alten Sitten gestellt hatten.

Zum ersten Mal seid Toran in sein Reich getreten war, zog dieser sein Schwert und nutze seine Kräfte und es heißt er ritt alleine der Armee entgegen und besiegte diese.

Gewaltig soll diese Schlacht gewesen sein und doch schenkte Toran denen die sich ihm ergaben, unter ihnen auch Feral, das Leben und ließ ihnen die Wahl zu bleiben oder zu gehen, als freie Männer.

Der Sage nach, ließ diese Geste seinen Feind zu seinem treusten Vasall werden.

 

Danach herrschte Frieden im sich langsam ausdehnenden Reich von König Toran.

 

Toran soll mehrere Menschenleben gelebt haben, doch irgendwann kam auch für ihn die Zeit Abschied zu nehmen.

Friedlich lag der alte Mann in seinem Bett um ihn herum seine Familie. Durch sein Alter war es sein Urenkel, ein wohl gewachsener, sanfter, junger Mann, der an seinem Bett seine Hand hielt.

Noch einmal öffnete der große König seine Augen und sprach leise, aber mit fester Stimme diese Worte:

„Sollte einstmals mein Volk geknechtet werden, schwöre ich, wird meine Seele den Weg zurück finden und meine Hand den Griff meines Schwertes und ich werde nicht eher ruhen, bis jeder Mann, jede Frau und jedes Kind in meinem Land in Frieden und Freiheit leben kann.“

Und dann starb der König.

 

Der junge Prinz, der nun ein König war. König von einem Land, das nie einen anderen gekannt hatte als Toran, erhob sich, nahm das Schwert, das neben seinem Ahnherren gelegen hatte und schritt in dessen Thronsaal.

Hier warteten viele hunderte. Schon seid Tagen hatten sie ihren Platz nicht mehr verlassen, schon seid Wochen zogen ganze Familie in Richtung Cara, um ihrem König die letzte Ehre zu erweisen.

Als der junge König seinen Thronsaal betrat breitete sich Stille aus, eine Stille die so intensiv war, das man sagt, die Welt hätte für einen Moment den Atmen angehalten und kein Windhauch, kein Vogelgesang wäre zu hören gewesen.

Dann zog der König langsam sein Schwert und hob es hoch über seinen Kopf. Anstatt den Tot seines Urgroßvaters zu verkünden, sprach er in die Stille den Schwur, die dessen letzten Worte gewesen waren.

Und anstatt in Weinen brach die Menge in Jubel aus. Den nicht zu beweinen war der Tot des verstorbenen sondern zu feiern war sein Leben.

Solange ein König vom Blut Torans auf dem Thron sitzen und dessen Schwert führen würde, würden Land und Leute den selben Frieden leben, als wäre der alte König niemals gegangen.

 

(Anmerkung: Diese Geschichte war lange Zeit bei der Todesstrafe verboten, doch ein junger Barde Tilo Sirenengesang war der Erste, der an einem Fürstenhof eine Version der Geschichte vortrug die König Toran wenig gut dastehen ließ und sie somit wieder vortragbar machte.

So kennt heute zwar so gut wie jeder die Legende von König Toran und seinem Schwur, aber nicht jeder glaubt daran. Viele denken sogar, es hat den König nie gegeben und es ist nur eine Geschichte die sich verselbstständigt hat.)